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Wissenswertes:

Sensible Hände – Ein Schlüssel nicht nur für die osteopathische Therapie

In der heutigen Medizin wird viel Wert auf eine automatisierte und durch Computer oder gar künstliche Intelligenz unterstützte Diagnostik gelegt. Trotzdem oder gerade deshalb wird immer wieder beklagt, dass in einigen Praxen mindestens vier der fünf Sinne, also Sehen, (Zu-)Hören, Fühlen und Riechen nicht genug Aufmerksamkeit erhalten. Was gerade den Tastsinn für die Osteopathie sowohl bei der Diagnose als auch bei der Behandlung so interessant macht, soll in diesem Artikel beschrieben werden.       

In der Medizin wird das Fühlen bei dem Erstellen einer Diagnose Palpation genannt. Mit den Händen lassen sich unter anderem Feuchtigkeit, Temperatur, Textur, Oberflächenspannung, Widerstand und Federung von Haut, Muskeln und Knochen bestimmen und so eine Funktionsstörung erkennbar machen. Zusammen mit weiteren diagnostischen Mitteln, wie Anamnesegespräch, Inspektion, Abhören, Funktionsprüfung und Labor führt die Palpation zur Diagnose und zu einer Behandlung, die entweder vom untersuchenden Therapeuten selbst oder aber von weiteren Spezialisten durchgeführt wird. Häufig wird nach der Diagnose ein Medikament, eine Injektion oder ein medizinischer Eingriff empfohlen.

Im Gegensatz zu vielen anderen Disziplinen der Heilkunde wird in der Osteopathie das Fühlen gleichermaßen für die Diagnose und für die Behandlung eingesetzt. Es entwickelt sich ein regelrechtes Gespräch: Der Therapeut bittet den Körper um Zugang und um Hinweise, wo und in welcher Form dieser Unterstützung braucht. Der Körper „antwortet“ durch diverse Reaktionsmöglichkeiten, wie zum Beispiel Gewebszug in Richtung der Problematik, An- oder Entspannung von Bindegewebe oder Muskulatur, Beschleunigung oder Beruhigung des Pulsierens von Flüssigkeiten oder gar mit Sperren und „Hinauswerfen“ der Hand des Therapeuten, sofern eine Behandlung nicht oder nicht mehr sinnvoll ist. Dieser ständige Wechsel zwischen Frage und Antwort und die exakt darauf angepasste Behandlung zeichnet die Osteopathie aus. Eine fragende Hand wird zum Beispiel die ungewöhnlich warme oder feuchte Oberfläche der Haut erfassen und dadurch die mit einer akuten Störung einhergehende erhöhte Energie entdecken. Kalte Regionen sind typisch für chronisch unterversorgte Körperbereiche. Die Behandlung von akuten oder chronischen Erkrankungen unterscheidet sich in Bezug auf angewandte osteopathische Technik, aber meist auch in Bezug auf Dauer der Sitzung beziehungsweise die Anzahl von Wiederholungen und den Zeitraum dazwischen.

Die Behandlung bei blockierten Nerven ist deutlich behutsamer als bei Läsionen an Muskeln, denn ein Nerv hat nur eine Stimme: Schmerz. Das Lösen von Läsionen am Nerv wird diesen zunächst irritieren, bevor die verbesserte Durchblutung und die Druckreduzierung zu einer fühlbaren Entlastung führt. Ein Zuviel würde den Nerven „beleidigen“ und die Dauer einer eventuellen Erstverschlechterung unnötig verlängern oder die Behandlung gar wirkungslos machen. Ein Muskel kann dagegen deutlich direkter behandelt werden – der Patient beschreibt manchmal einen „wohltuenden Schmerz“, wenn Faszien ausgestrichen werden, schmerzhafte Knoten mit Druck gelöst oder ganze Muskelbündel quer gedehnt werden.

Ein osteopathisch arbeitender Therapeut kann durch die unterschiedlichen Strukturen des Körpers hindurch fühlen. Je nach Ziel der Untersuchung werden die Sinne auf Oberfläche (Haut), darunter liegende Bindegewebe und vielleicht an einem Knochen vorbei bis zum Organ selbst fokussiert. Es wird eine selektive Wahrnehmung benutzt. Bei der Untersuchung und Behandlung beispielsweise der Leber muss der Therapeut unter anderem durch die Rippen hindurch fühlen. Er blendet die festen knöchernen Strukturen aus und nimmt erst dann die Motilität wahr, also die Eigenbewegung des Organs, ohne sich von der Atembewegung des Brustkorbs irritieren zu lassen. Je nach Ursache der Störung – bei der Leber zum Beispiel Zwerchfellverspannung, Rippenblockade, Gallenwegsverlegung, verspannte Dickdarmaufhängung oder eine Stauung des Organs selbst – werden unterschiedliche osteopathische Techniken benutzt, wie zum Beispiel Entlastung des Zwerchfells über eine Verwringung des Brustkorbs, Lösung blockierter Rippen durch rhythmisches Mobilisieren, direkte Dehnung der Gewebe rund um die Gallenwege oder aber indirekte Dehnung verklebter Dickdarmstrukturen durch Ansetzen eines Körperhebels, meist Seitneige oder Rotation des Rumpfes. Die unmittelbare Antwort des Körpers auf die ständig fragenden und kontrollierenden Hände bestimmt Ort, Technik, Intensität und Dauer der Behandlung.

Natürlich setzt diese Kommunikation mit dem Körper ein hohes Maß an Konzentration, Sensibilität und Präzision voraus. Wie bei jedem Beruf, jeder Kunst oder jeder professionellen Aktivität ist das ständige Trainieren der Schlüssel zum Erfolg. In der Literatur zur Osteopathie findet man die Empfehlung, man solle ein Haar unter einer Telefonbuchseite aufspüren. Wenn das gelingt, solle man 10 Seiten darüber legen…

Immerwährendes Lernen, Üben, Hinterfragen, Einordnen und das intensive Studium der Anatomie sind die Grundvoraussetzungen für das Nutzen der Kunst des Tastens in einem effektiven therapeutischen Sinn.

Der Tastsinn ist nicht nur für die Osteopathie essenziell und natürlich sollten alle Therapeuten der unterschiedlichsten Fachrichtungen neben dem Tastsinn auch die weiteren Sinne nutzen, um passende Therapieabläufe einzuleiten und durchzuführen. Bildgebende und computerunterstützte Verfahren sind ein Segen bei vielen speziellen Diagnosen. Aber häufig können mindestens vier von fünf Sinnen schnell und erstaunlich genau die Richtung weisen. In der Osteopathie wird das Fühlen nicht nur für die Diagnose eingesetzt, sondern Untersuchung und Behandlung gehen nahtlos ineinander über. Diese Arbeit in enger Kommunikation mit dem Körper ermöglicht eine Therapie nach dem Motto: So viel wie nötig, so wenig wie möglich. Nutzen wir das gesamte Potenzial von natürlichen und technischen Kompetenzen im Sinne der Gesundheit von uns beziehungsweise unserer Patienten.

Quelle: hpO

 

 

 

Zeitungsartikel & Interviews:

Marbacher Zeitung vom 23.11.2019



Ludwigsburger Wochenblatt vom 10.10.2019



Zeitschrift proFit der BKK-VBU 2/2019



Leben und Wohnen in Pleidelsheim 2016