Wissenswertes:

 

Wenn die Hand nicht mehr kann – Morbus Dupuytren           

In der Osteopathie werden mitunter auch Erkrankungen behandelt, die nur einen kleinen Personenkreis betreffen – bei Morbus Dupuytren sind das hauptsächlich Männer zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr. Weil aber die Ursachen dieser Erkrankung vielfältig sein können, lässt sich an ihrem Beispiel anschaulich aufzeigen, wie unterschiedlich die osteopathische Diagnose und Behandlung bei ein und derselben Krankheit sein können.

Klären wir aber erst einmal auf, was Morbus Dupuytren überhaupt ist: Es handelt sich um erst knotige, dann strangförmige Verhärtungen an der Sehnenplatte der Handfläche (Palmaraponeurose). In Folge können sich die Beugesehnen des Ring- und Kleinfingers verkürzen, was letztlich die Funktion der gesamten Hand einschränken kann. Ähnliche Verhärtungen können übrigens auch an der Fußsohle (Morbus Ledderhose) und am Penis (Peyronie’sche Erkrankung) entstehen. Unstreitig ist, dass es sich bei der Verhärtung um eine Fibromatose handelt, also eine gutartige Faservermehrung. Übrigens, auch Narbenbildung entsteht durch Faservermehrung – hier jedoch zum Nutzen des Körpers, um verletztes Gewebe zu reparieren. Die Ursache für die Fibromatose ist nicht geklärt – vermutet werden genetische Veranlagung, Traumata wie Stöße und Verletzungen ebenso wie übermäßiger Alkoholkonsum, Leberzirrhose und Diabetes mellitus.

Betrachten wir diese Ursachen aus naturheilkundlicher Sicht:        

Erbliche Veranlagung

Eine optimierte Lebensweise, zum Beispiel in Hinblick auf Ernährung, Stressbewältigung und Bewegung, kann sich genregulierend auf eine eventuell nicht so gute erbliche Veranlagung auswirken. Verdeutlichen wir das an einem Beispiel: Ein talentierter, aber trainingsfauler Sportler kann trotz seines Talents einem anderen, trainingsfleißigen Sportler unterliegen. Sollte also eine erbliche Veranlagung für Morbus Dupuytren mitverantwortlich sein, könnten Patient*in und Therapeut*in gemeinsam nach Optimierungsmöglichkeiten in der Lebensweise des Patienten oder der Patientin suchen.

Traumata

Unfälle, Verletzungen oder Operationen können manchmal die Versorgung der betreffenden Region, in unserem Fall der Hand, nachhaltig einschränken. Osteopathisch lassen sich die Position von Knochen und Gelenken korrigieren und beweglicher machen und können Gefäßeinschränkungen durch Druck- oder Lageveränderungen der umgebenden Strukturen reduziert werden. Auch die Zellen des Bindegewebes müssen frei von Verdichtungen oder Stauungen sein, um ordnungsgemäß versorgt zu werden und kommunizieren zu können. Der*die Therapeut*in wird deshalb versuchen, einen ungestörten Austausch von Flüssigkeiten zu ermöglichen, damit die darin enthaltenen Stoffe und Informationen auch an jede Zelle gelangen können. 

Alkohol, Leber- und Nervenschädigung

Alkohol ist ein Nervengift, welches insbesondere die Leber als Entgiftungsorgan neutralisieren muss. Daher kann ein zu hoher Alkoholkonsum nur im Zusammenhang mit Leber- und Nervenschädigungen gesehen werden. Weiterhin spielt die Leber eine wichtige Rolle für die Blutgerinnung, was für das Schließen von Wunden und die Bildung von Narbengewebe bzw. Gewebsreparatur wichtig ist. Wenn also die Leber durch Alkohol, unerwünschte Medikamentennebenwirkungen oder Krankheiten, wie zum Beispiel Entzündungen (Hepatitis), geschädigt wird, würden in der Folge der gesamte Stoffwechselprozess und Energiehaushalt beeinflusst. Zum anderen kann es zu Gerinnungsstörungen mit einer fehlerhaften Gewebsbildung – auch an der Hand – führen.

Die Osteopathie kennt unterschiedliche Herangehensweisen zur Behandlung der Leber:

Es können die Haltestrukturen zu den Nachbarorganen (zum Beispiel Gallenblase, Zwerchfell, Magen, Dickdarm) vorsichtig entspannt werden. Ferner lassen sich die zu- und abführenden Gefäße behandeln, über die Nährstoffe zur Leber und von dort zu den Zellen gebracht, beziehungsweise Abbauprodukte über Galle und Lymphe abtransportiert werden. Schließlich kann das Zwerchfell mit direkten, dehnenden Techniken, aber auch mit „Führen in die Leichtigkeit“ behandelt werden, um dessen Pumpfähigkeit zu optimieren.

Letztlich lässt sich das Nervensystem osteopathisch untersuchen und behandeln. Denn egal, welche Vorgänge im Körper eingeleitet werden sollen – häufig werden diese durch Signale vom Gehirn über die Nervenbahnen zum Zielorgan hin ausgelöst. Deshalb wird das Nervensystem untersucht und geprüft, ob hier die Ursache für einen eingeschränkten Informationsfluss zu finden ist. Falls ja, ist zu klären, ob hierfür Giftstoffe, wie etwa Alkohol, ursächlich sein könnten. Auch müssen Nervenbahnen selbst frei von Blockaden sein, damit das Signal unverfälscht zum Zielorgan gelangen kann.

Diabetes mellitus

Diese Stoffwechselstörung basiert auf einem chronisch erhöhten Blutzuckerspiegel. Die Folgen wirken sich auf den gesamten Organismus aus und betreffen unter anderem Nerven, Gefäße, Haut- und Bindegewebe sowie Stoffwechsel, Immunreaktionen und Wundheilung. Auch hier muss die Ursache gefunden und wenn möglich abgestellt werden. Die osteopathische Herangehensweise ist wie bereits zuvor beschrieben. Hinzu kommt jedoch die eventuell notwendige ärztliche Kontrolle und Zufuhr von Insulin, sofern die Bauchspeicheldrüse dieses nicht oder nicht ausreichend produzieren kann.

Viele mögliche Ursachen – viele Optionen

Wir sehen also, wie vielfältig die Ursachenforschung für eine Gewebsveränderung an der Hand sein kann. Ob nun die Nervenversorgung oder die Gefäßqualität beeinträchtigt sind, ob Stoffwechselorgane oder das Herz-/Kreislaufsystem gestört sind, ob Gifte von außen oder innen vorhanden sind oder ob die Produktion von Blutzellen oder Gerinnungsfaktoren fehlerhaft abläuft – alles hat Einfluss auf die ordnungsgemäße Entwicklung von Gewebe, aber auch Einfluss auf vielfältige weitere Prozesse im Körper.

Damit ist nicht gesagt, dass mit der Osteopathie ein Morbus Dupuytren heilbar wäre, aber es würde sich lohnen, die vielen verschiedenen Abläufe im Körper diesbezüglich zu überprüfen. Denn wenn man den Morbus Dupuytren als Alarmsignal für eine übergeordnete Störung der Körperabläufe versteht, dann kann eine Korrektur dieser Störungen auf vielen Ebenen die Gesundheit fördern, selbst wenn das eigentliche Problem „Hand“ nicht sofort wunschgemäß heilt.

Quelle: hpO

Zeitungsartikel & Interviews:

Marbacher Zeitung vom 23.11.2019



Ludwigsburger Wochenblatt vom 10.10.2019



Zeitschrift proFit der BKK-VBU 2/2019



Leben und Wohnen in Pleidelsheim 2016